JPW3

RARRI GARDEN

Rarri Garden, Performance

All works Wax with ink transfer on canvas, 2017 courtesy Galerie Nagel/Draxler, Berlin  und Köln

KVHP Patrick Walsh JPW3 RARRI GARDEN 21.4.17
John Patrick Walsh wurde am 7.8.1981 in Tallahassee (Florida) USA geboren und wuchs in Pennsylvania auf. Er studierte zuerst in Chicago, und schloss sein Studium in Los Angeles an der University of Southern California mit dem Master ab.
Walshs Werke wurde bislang vornehmlich in den USA ausgestellt und werden in Deutschland in Berlin und Köln durch die Galerie Nagel und Draxler vertreten und auf der Art Basel und der Art Köln gezeigt.
Der Künstler lebt und arbeitet in Los Angeles.
Walshs Kunstwerke drücken sein starkes Interesse an der Dipolarität der Dinge und Gegebenheiten aus, wie z.B. dem technischen Fortschritt und der Umweltzerstörung, was sich auch formal in der Auswahl der von Ihm verwendeten künstlerischen Materialien, die sich zwischen weich und hart, langsam und schnell, flüssig und fest bewegen, manifestiert. Wie Jing und Jang bilden Gegensätze in seinen Kunstwerken ein harmonisches Ganzes, ergänzen sich gegenseitig zu einer „runden Sache“.
Seine Werke entstehen in einer eigens von ihm entwickelten Technik, bei der mittels flüssigem, teilweise farbigem Wachs auf Leinwand befestigte Abdrücke von Fotos bearbeitet werden. Die hierbei entstehenden Wachsschichten legen sich schleierartig über die Motive und verfremden sie für den Betrachter auf faszinierende Weise. Umrisse und Kontouren verschwimmen teilweise bis zur Unkenntlichkeit, die Oberflächenstruktur entsteht je nach Bearbeitung und weist mal mehr, mal weniger Lufteinschlüsse, auf, die dann zu sogenannten Bubbles aufplatzen. Diese letzte, unkontrollierbare Instanz während der Entstehung der Kunstwerke verstärkt deren Reiz und betont den Unikatcharakter.
Wie man unschwer erkennen kann, sind die Werke für den Kunstverein Heppenheim direkt hier vor Ort entstanden und die Spuren, die bei deren Entstehung auf den Boden zurückblieben wurden bewusst so belassen. So kann man sich unschwer vorstellen, wie der Künstler hier mit riesigen Metalltöpfen, gefüllt mit farbigen Wachsen seinem kreativen Schaffen nachgegangen ist.
Heat, Sound und Speed sind hier ebenso wie in den gerade zeitgleich in den Berliner und Kölner Galerien Nagel und Draxler stattfindenden Shows Walshs Leithemen, die ihn zu seinen einzigartigen Werken inspirieren, die meist der Motivwelt der Racing Cars entnommen sind.
So finden sich auch hier im Kunstverein Heppenheim, natürlich insbesondere in Bezug auf Vettelheim (Heimatstadt des mehrfachen Weltmeisters der Formel 1, Sebastian Vettel) eine deutliche Gewichtung auf Ferrari. Daher wurden keine Kosten und Mühen gescheut, einen originalen Ferrari Motor für die Ausstellung nach Heppenheim zu bringen. Seine Bestückung mit Avocadosprösslingen verkörpert einerseits die Gegensätzlichkeiten zwischen Natur und Technik, andererseits jedoch auch eine gewisse Ergänzung, so verarbeiten bzw. benötigen die Pflanzen zum Wachsen den CO2 Ausstoß des Motors des Racing Cars.
Die großformatigen Bilder zeigen Variationen des Ferrari Emblems und erinnern somit in ihrer Grundstruktur an die Ausdrucksformen der Popart, die sich mit der künstlerischen Verarbeitung von Alltagsgegenständen und Motiven durch Reihung, Veränderung der Größenverhältnisse und Farbigkeit kreativ auseinandersetzt.
In den kleinformatigen Bildern gelangen Rennfahrerportraits von Senna, Zündschlüssel, Zielflaggen, Motoren, Felgen und ähnliche Motive mit Bezug zu Autos auf die Leinwand. Auch hier faszinieren die Variationen ein und desselben Motivs durch unterschiedliche Ausprägung der Wachsschicht, wodurch jedes Werk ein unwiederholbares Unikat darstellt.
Autos, insbesondere Racing Cars verweisen auf den American Dream, in dem Freiheit, Geschwindigkeit und die Möglichkeit im wahrsten Sinne des Wortes, alles erreichen zu können, verkörpert werden. Zudem stehen sie als Synonym für Unabhängigkeit und Wohlstand.
Aber auch die Erfahrungen, die der Fahrer eines solchen Autos macht, der Geschwindigkeitsrausch, die Flieh- und Drehkräfte durch Beschleunigung oder Drifting, gehen über das eigentlich menschlich- körperliche Vermögen hinaus und sind daher so faszinierend.
Das Interesse für insbesondere Ferrari wurde bei Patrick Walsh vor allem durch das Auffinden einer alten Zeitungsnotiz aus den 70 er Jahren geweckt, in dem von einem skurilen Zufallsfund berichtet wird , bei dem ein gestohlener Ferrari nur wenige hundert Meter von seinem Studio in Los Angeles, in einen ehemaligen, zugeschütteten Swimmingpool versteckt worden war. Zwei Skateboarder, die zu dieser Zeit gerne ausgediente Pools als Skateanlage nutzten, entdeckten den sorgfältig verpackten, mit Erde zugeschütteten und mit Pflanzen bewachsenen Ferrari Dino 246 GTS, für viele Fans der Ferrari schlechthin, ca. fünf Jahre nach seinem Verschwinden. Die Versicherung, der das Auto nunmehr gehörte, versteigerte ihn an einen Automechaniker, der ihn wieder herrichtete und mit diesem Auto, der sogenannten „Ferrari Mumie“ und seiner Story die Attraktion auf etlichen Autoshows in Kalifornien war.
Daher erklärt sich auch der Titel der Ausstellung „Rarri Garden, Rarri, die amerikanische umgangssprachliche Abkürzung für Ferrari und Garden, weil er gewissermaßen in einem Garten aufgefunden wurde. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zur ausgestellten Motorskulptur, die darauf wachsenden Pflanzen erinnern auch zusätzlich an diese alte faszinierende Geschichte. Die Konservierung der Bilder durch das Wachs weckt ebenfalls Assoziationen zum „mumifizierten“ Ferrari.
Walsh erweckt somit die skurile Geschichte von der Wiederauferstehung des vergrabenen Sportwagens zu neuem Leben und bringt somit ein Stückchen California Dream nach Heppenheim.
Dr. Anke Emig

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