VIO CHOE

big bang of mind

 

VIO CHOE
BIG BANG OF MIND

Vio Choe wurde am 18.2. 1971 in Korea geboren. Sein Kunststudium absolvierte er an der School of Visual Art in New York, seit 1993 lebt und arbeitet er in New York.
Er hat hauptsächlich in Seoul, Berlin, London, Hong Kong, Chicago, Paris, New York, Miami, Huston, Bejing und Karlsruhe ausgestellt.
Vio Choe stellt in seinen Werken Universen dar und beschreibt mit einem Netz aus kleinteiligen diffizilen Strukturen die Verbindungen, die sowohl im mikroskopischen Bereich, als auch im gesamten, unfassbar großen Universum vorherrschen.
Alles ist irgendwie miteinander und untereinander verknüpft und verwoben, wobei ein letztlich unerklärlicher und unerforschter Energiefluss zwischen allen Lebewesen stattfindet.
Dieser labyrinthartige Stil hat seinen Ursprung im New York der 80 er Jahre, in dem Keith Haring beginnt, seine Figuren aus Linien und Flächen, beeinflusst von Graffiti und Werbegraphik zu konzipieren. Auch Jean Michelle Basquiat entwickelt labyrinthartige, mind-map-artig anmutende Werke aus Wörtern und Schriftzeichen, fügt auch hier vereinzelte, symbolhaft vereinfachte Signets wie eine Kronen, Sterne, Pfeile, Knochen oder ähnliches hinzu.
Vio Choe hat diese faszinierende Art der Bildgestaltung auf seine eigene Weise in kalligraphisch anmutendem Stil mit deutlicher Wiedererkennbarkeit weiterentwickelt.
Mit feinen Lack- oder Gelstiften, die häufig auch hell metallisch in Silber oder Gold glänzen, werden die an Computerplatinen erinnernden labyrinthartigen Strukturen auf einen meist monochromen Leinwandhintergrund aufgetragen, auf dem sie sich dann zu neuerlichen amorphen Formen ausbilden, die ihrerseits wiederum miteinander in Verbindung treten. Oftmals existiert ein zentrales, kreisförmiges Mittelmotiv das Ich oder ES, um das herum sich die verschiedenen kleinteiligen Elemente ringförmig anordnen, von ihm auszugehen scheinen oder sich in ihm sammeln, einer Art Energiezentrale.
Es lassen sich die unterschiedlichsten Motive und Formen erkennen, wodurch der Betrachter angeregt wird, längere Zeit vor dem Bild zu verweilen. Die Motive erinnern oftmals an Sonnen, Augen, Gestirne, Zellen, Amöben, Einzeller einen Mikrokosmos wie unter dem Mikroskop betrachtet, doch dann tauchen darin wiederum an menschliche und technische Figuren erinnernde Gebilde auf, die den Blickwinkel, bzw. den Maßstab der Betrachtung verändern.
Die vereinfachten, archaisch anmutenden Zeichen und Logos verkörpern den ursprünglichen und instinktiven Akt des Zeichnens. Die Werke entstehen in einem unmittelbaren Schaffensprozess, indem die Gedanken direkt ohne Vorzeichnung oder Kompositionsskizze auf die Leinwand übertagen werden. Vio Choe verwendet keine Öl-, Acrylfarbe oder Pinsel, da hierbei die Möglichkeit zur präzisen und feinen Darstellungsweise verloren gehen würde. Die Werke bestechen durch ihren exakten und kleinteiligen Charakter, bei dem ein Liniengerüst mit unterschiedlichen Farbflächen in Verbindung tritt. Durch die Verwendung der Gelstifte ergibt sich zudem eine leichte Plastizität der Linien.
Für den Betrachter entsteht die Herausforderung, sich auf diese visuelle Symbolsprache einzulassen. Sie reflektiert den Wunsch nach einer neuen Kommunikationsform, abseits der gewöhnlich gebräuchlichen Sprachen und Kommunikationssysteme. Der Betrachter wird gewissermaßen
animiert, sich auf eine Entdeckungsreise in das Werk zu begeben und sich der Faszination des scheinbar unendlichen Kosmos hinzugeben.
Plötzlich wird aus der mikroskopischen Betrachtung einer Zellstruktur das riesige, unfassbare und unbegreifliche Universum mit Sonnen und Planentensystemen, Milchstraßen, Raumschiffen, Sonden etc., wie ein galaktisches System von Logos und Symbolen unterschiedlicher Herkunft und Symbolkraft. Die Teilchen verbinden und vermehren, duplizieren sich durch eine scheinbar unsichtbare Kraft und bilden letztendlich ein enormes Geflecht von scheinbar vibrierenden, lebenden mit Energie geladenen Elementen. Eine ungeheure Menge an Teilchen überflutet die Leinwand. Es handelt sich um die Visualisierung einer gleichzeitig bekannten wie unbekannten Welt.
Das Universum scheint auf den ersten Blick chaotisch zu sein, doch bei genauerer Betrachtung erschließt es sich und eine Ordnung wird erkennbar.
Für Vio Choe genügt es nicht, nur das Äußere eines Objektes abzubilden, da dies nicht vollständig ist und nicht die Wahrheit über die Existenz der Dinge aussagt. Das Innere, die Zusammenhänge von Energie und Schwingungen werden hierdurch nicht erfasst.
Die Rätsel der Menschheit und des Universums, Spiritualität, Leben und Energie sind die Themen, die Choe zu ergründen versucht und mit denen er sich künstlerisch auseinandersetzt.
Die Ausstellung hier im Kunstverein Heppenheim zeigt fünf große metaphysischen Themenbereiche, die Choe künstlerisch verarbeitet hat:
Zeit (Time), Energie (Happy Cell), Verbindung (Connection, Superstrings), Persönlichkeit (Personality), Universum (big bang of mind, parallel Universe, Universe of mind)
Links beginnend:
1.“THE TIME WAVE“
die Zeitwelle, vierteilig, zeigt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und das Ich. Vom zentralen Punkt in der Mitte aus verbreitet sich die Welle ringförmig. Die Kreislinien verbinden wiederum alles zu einem, womit ausgedrückt wird, dass ständig immer wieder Veränderungen des Lebens entstehen und überall zur gleichen Zeit unzählige Prozesse, Veränderungen zur gleichen Zeit stattfinden. Hiermit wird die Vielfalt und Überfülle des Lebensprozesses dargestellt.
2. „QUANTUM CONNECTION“
zeigt die Verbindung mit einem „Superstring“ der alles, Inneres und Äußeres miteinander wie eine energieerzeugende Kraftlinie miteinander verbindet.
3. „DARSHARN“
eine Bezeichnung für Anschauung, Beobachtung oder Anschauungsweise aus der indischen und buddhistischen Philosophie und Religion, ein Werk, dass zu kontemplativen Betrachtung und Meditation einlädt.
4. „Trinity“
Eckige Elemente wie Puzzlestücke collageartig aus den unterschiedlichsten Universen aneinandergefügte Farbflächen, die alle Unterschiedlichkeiten in einem Werk vereinen.
5. „SELBSTPORTRAIT“
Veränderungen in den Gedanken lassen den „ big bang “ im Kopf entstehen, es stellt den Ausdruck seines eigenen Universums im Unterbewusstsein dar, die sprudelnde Energie im eigenen Ich. Das Gehirn kommuniziert gleichzeitig mit dem Universum und alles ist letztlich in einem Kreislauf verbunden.
6. „HAPPY CELL“ bezeichnet die Werkgruppe, die ausdrückt, dass Fröhlichkeit und Glück nicht nur vom Geist ausgeht, sondern schon innerhalb der Körperzellen gebildet wird und auch über das Empfinden, das von einem zum anderen übertragbar ist, z.B. auch über den Anblick eines Bildes übertagen werden kann. Die Energie, die der Künstler in die Werke gelegt hat, ist für den Betrachter stets in seinen Bildern erlebbar, unabhängig von Raum und Zeit.
Die Werke im hinteren Bereich zeichnen sich durch polychrome Farbigkeit aus und sollen die Vielfalt der unterschiedlichen Persönlichkeiten der Menschen ausdrückten. Personality, jeder kreiert seine eigene, bunte Persönlichkeit, lebt ein Leben, dass sich zusammensetzt aus inneren und äußeren Ereignissen, hierdurch immer neue Wege und Bahnen einschlägt, ausgedrückt durch vibrierende Farbfelder und „Happytstrings“, Lebenslinien, Verbindungen, Überschneidungen, Lebenswege, alles ist möglich.
„BLUE NOTE OF CREATOR“ zeigt auf mystische Art und Weise, dass letztendlich alles Leben und Energie aus dem Wasser, den Tiefen des Ozeans entstanden ist und ohne Wasser nicht auskommt. Choe drückt damit aus, dass er das Wasser als Ursprung /Mutter allen Lebens ansieht.
Connection, die Verbindung untereinander stellt für Vio Choe die Quintessenz seiner Erkenntnis dar, indem er aussagen möchte, dass letztlich alle Menschen und Dinge im Universum irgendwie miteinander verbunden und voneinander abhängig sind, ob sie wollen oder nicht. Er möchte mit seinen Werken ausdrücken, dass es nicht möglich ist, hieraus zu fliehen. Letzlich sind seine Werke auch eine Homage an das Wunder, dass wir und letztlich überhaupt Leben auf der Erde existiert.

Dr. Anke Emig

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