FELIX KULTAU

SPOILER PARADOX

 

 

 

Über Felix Kultau
Was ist ein Display? Diese Frage scheint heute schwer zu beantworten, da Möglichkeiten
des Sammelns und präzisen Auswertens von Informationen ihren ökonomischen Zweck
mehr denn je in Frage stellen. Ein Display pauschalisiert seine Adressaten und scheint zur
Kommunikation zu grob geworden zu sein. Das leuchtende Großdisplay ist einfach nicht
mehr das, was es einmal war, viele funktionieren zwar noch und leuchten zumindest.
Einige führen ein merkwürdiges Eigenleben in den Randzonen regionaler
Aufwertungslogiken. Schön sind sie vielleicht gerade durch ihre zeitgenössische
Dysfunktion. Aber was soll’s.
Felix Kultaus Objekte scheinen Hybride aus Skulptur, Malerei und zweckhaftem
Display zu sein. Magdalena Kröner schreibt: „Felix Kultaus Sehnsuchtsdisplays lassen
sich vorzugsweise in Gegensatzpaaren beschreiben. Kalkül statt Unmittelbarkeit, Effekt
statt Prozess, Selbstreflexivität statt Authentizität, Recycling statt Kreation: mit diesen Modi
hält der 1984 geborene Künstler das eigene Vorgehen in einer ununterbrochenen, eine
Vielzahl von Ambivalenzen beschreibenden Bewegung. Das Material, aus dem diese
Begehrensmaschinen gebaut sind, scheint in seiner kalkulierten Wertlosigkeit und einem
Hang zum Talmi modische Kontexte zu bestätigen: MDF, Zement, Glas, Stoff, Holz, Metall,
Leuchtstoffröhren, Flachbildschirme. Der zunächst durchgängig attraktive Oberflächenreiz
wird durch Zerstörung, Verschleiß und offenbare Kaputtheit gebrochen. Doch befreit die
vielfach inszenierte Beschädigung des Materials dieses nicht, denn es stellt kein
Aufbrechen im semantischen Sinne dar: die Ordnung der Zeichen und deren inhärente
Zweifelhaftigkeit bleiben unberührt.“
Durch Kultaus Ästhetisieren brüchiger Zustände wird das Formale zur Analyse des
heutigen Zustandes desolater Kommunikationswerkzeuge. Dabei konzeptualisiert er die
Romantisierung dieser, „[…] als ob hier die quasi-religiöse Emphase eines Paul Thek in
technoider Simplizität und [in] entleerten Verweisketten implodiert.“ (Kröner)
Kultau inszeniert in seinen Ausstellungen eine desolate Verschwörung der
Oberfläche, die zu einem Statement mit Härte wird, wenn sie vom Selbstzweck zur
Realitätsbeschreibung mutiert. „Usually, the frayed look is an admission of the Romantic
notion that time affects all things, that all shall become ruin. Not so for Kultau, whose
industrial motifs and plays of washed-out patterns (like the series of abstract prints, ‘Tarot
Sports’) suggest more cultural refuse than natural overgrowth.” (Pablo Larios, frieze Issue
151, 2012)
Marcel Hiller


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