TAMINA AMADYAR

SAMSTAGNACHT

 

Tamina Amadyar

Die Malerei der 1989 in Kabul geborenen und in Berlin lebenden Tamina Amadyar besticht durch
eine Unmittelbarkeit, die für den Betrachter konkret spürbar ist. Was jedoch als eindeutige und
selbstverständliche Bild-Setzungen hervortritt, ist zugleich das Resultat einer intensiven
Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Status Quo der malerischen Abstraktion.

In Amadyars Bildern aus der Zeit ihres Studienabschlusses an der Kunstakademie Düsseldorf
2013/14 lassen sich unterschiedliche räumliche Situationen und Raum-Ausschnitte erkennen. Diese
sind von persönlichen Erinnerungen an Orte und Plätze inspiriert, an denen die Künstlerin gelebt
oder sich zeitweilig aufgehalten hat. Eine eindeutige Wiedererkennbarkeit dieser Orte wird
allerdings durch eine ebenso intensive, wie ungewöhnliche Farb-Raumwirkung malerisch
aufgebrochen und erweitert.

Die raumbildende Präsenz der reinen Farbigkeit steht auch im Zusammenhang mit der spezifischen
Wahl des Malmaterials. Amadyar verwendet traditionellen Glutin- bzw. Hasenleim, und zwar nicht
nur als Grundierung ihrer Leinwände, sondern auch als Bindemittel der Farbpigmente, woraus eine
im Grunde widersprüchliche Wirkung von Flüssigkeit und Dichte, sowie von Transparenz und
Geschlossenheit in ihren Bildern resultiert. Die aus wenigen Schichten gebildeten, schnell
trocknenden, mit breitem Pinsel verfestigten Farbflächen erzeugen zudem ein reizvolles Kräftespiel
mit den vom Betrachter als gleichberechtigt empfundenen Auslassungen, die aus der
durchscheinend grundierten Leinwand bestehen.

In Amadyars jüngeren Arbeiten wird diese Gleichwertigkeit von ´leeren´ und farbig definierten
Flächen immer deutlicher. Die lineare Präzision der architektonischen Konstrukte hat sich in
Richtung von weich ausschwingenden, plastischen Form-Konstellationen verändert. Dabei hat
Perspektivisches gleichwohl Bestand. Räumliche Tiefenwirkungen und Verjüngungen, sowie das
Auseinander- und Zueinander-Streben von Farb-Volumen bestimmen den Bildaufbau. So, wie man
eine geometrisch klar strukturierte Raumsituation mit Stoffbahnen und Vorhängen ummanteln,
verschleiern und verformen kann, so operiert Tamina Amadyar mit einem malerischen
Spannungsfeld aus Schärfe und Unschärfe definierter Abgrenzungen. Die dadurch entstehende, sich
nach außen stülpende Plastizität, sowie die den Betrachter ins Innere des Bildes ziehende Tiefe
bilden ein Wechselspiel, das in dieser Form nur in der Kunst, gleichsam virtuell, in Erscheinung
tritt.

Dabei kommt der Farbe eine zugespitzte Rolle zu, indem sie als Indikator und Erzeuger des
Bildraums noch grundlegender geworden ist, als dies in früheren Arbeiten der Künstlerin der Fall
war. Das Selbstverständnis der autarken malerischen Setzungen bei Tamina Amadyar folgt einer
Eigendynamik und Eigengesetzlichkeit, die vom Medium selbst mitbestimmt wird.

Thomas Groetz

Advertisements

Kommentare sind deaktiviert.

%d Bloggern gefällt das: