RALF MITSCH

WHY I LOVE TATTOOS

 

Maika

Sylvie

Tim

TrudyHolger

Alle Fotos Ralf Mitsch Photography

Was sind das für Tätowierungen – aber noch viel mehr, was für ein Mensch steckt dahinter? Dieser Frage ging der Heppenheimer Ralf Mitsch jahrelang in einer Fotoserie nach, die schließlich im Buch „Why I Love Tattoos“ mündete. Der 51-jährige Wahl-Amsterdamer stellt seine großformatigen Bilder jetzt im Kunstverein Heppenheim aus. Die Vernissage findet in Anwesenheit von Ralf Mitsch am Freitag, 11. Mai, um 19 Uhr statt. Wir sprachen mit dem Fotokünstler.

Herr Mitsch, wie müsste ein Tattoo Ihrer Heimatstadt Heppenheim aussehen?

Ralf Mitsch: Tattoos sind sehr persönlich, das kann jeder nur für sich entscheiden. Für mich wäre das allerdings ein kleiner bunter Drachen auf dem Schulterblatt, die sich ein guter Freund hatte stechen lassen. Dies war die erste Tätowierung, die ich aus nächster Nähe sah.
Sie haben über mehrere Jahre Menschen mit Tätowierungen fotografiert – Sie selbst tragen keins. Wie passt das zusammen?
Mitsch: Ich war seit meiner Teenagerzeit von Tattoos fasziniert und war auch eine Zeit lang auf der Suche nach einem Motiv für mein erstes Tattoo. Selbst nach langem Suchen konnte ich mich jedoch noch immer nicht entscheiden, welches Motiv ich mir für die Ewigkeit auf meinen Körper stechen lasse. Damals, während meines Praktikums in San Francisco, bin ich durch sämtliche Tattoostudios getingelt – alle hatten diese typischen Ordner, in denen in Plastikhüllen die Zeichnungen der Motive waren. Meist waren es die Klassiker – Schwalben, Totenköpfe Blüten und so weiter. Irgendwann habe ich dann dem Thema Tattoos keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt.


Früher trugen Tätowierungen nur Seemänner und Prostituierte. Wie erklären Sie sich, dass das Tattoo aus der Schmuddelecke herauskam und inzwischen Mainstream ist?


Mitsch: Ich denke, dass man die Antwort nicht so verallgemeinern kann. Innerhalb bestimmter Gruppen sind Tattoos akzeptiert, aber es existieren noch immer viele Ressentiments dagegen: Eine der ersten Veröffentlichungen der Serie war im Magazin der Zeit online, wo die Fotos sehr kontrovers diskutiert wurden. Beim Lesen der Kommentare sieht man, wie gespalten die Gesellschaft bei diesem Thema ist. Vor einiger Zeit las ich auch einen Artikel, in dem die Polizei einen Bewerber aufgrund seiner Tattoos ablehnte. Die Akzeptanz hängt auch davon ab wie stark jemand tätowiert ist. Gegen ein kleines Tattoo am Handgelenk wird wohl (fast) niemand etwas haben, was bei einem Gesichtstattoo wohl anders sein dürfe.


Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Buch „Why I Love Tattoos“?


Mitsch: Auf einer Party, die ich mit Freunden organisierte, sah ich Holger. Es war Winter, aber unter seinem Hemd ragten ein paar Tattoos heraus. Das hat meine Faszination für Tattoos wieder erwachen lassen. Ich fragte ihn, ob ich ihn fotografieren darf. Eine Woche später stand er in meinem Fotostudio. Das war die Geburt der Fotoserie. Sie bekam viel Aufmerksamkeit in der Presse und auf Blogs. Erst dann, nachdem ich ungefähr die Hälfte der Leute, die im Buch sind, fotografiert hatte, entschied ich mich, eine Publikation daraus zu machen.


In Ihrem Buch zeigen Sie einen Querschnitt durch alle Gesellschaftsschichten: Ob ein Banker mit Maori-Tribals oder eine Kellnerin mit Schlangen – wie haben Sie Ihre Motive gefunden?


Mitsch: Nach Holger habe ich noch eine Bekannte gefragt. Mit diesen beiden Fotos bin ich in Amsterdam bei einem Tattoostudio bei mir um die Ecke vorbeigegangen. Erst war der Eigentümer etwas skeptisch, ob das seriös ist, was ich da mache, aber letztlich hat er mich in Kontakt mit einigen Leuten gebracht. Nachdem die ersten Fotos auf Facebook standen, habe ich auch viele darüber akquiriert.


Dachten Sie im Foto-Studio manchmal, „das geht ja gar nicht“, wenn sich Ihre Modelle freimachten?


Mitsch: Ich war einmal enttäuscht, als sich ein Model entkleidete: Da ich in angekleidetem Zustand Tattoos auf Händen und Nacken sah, dachte ich, der Rest des Körpers ist auch voll damit. Aber das Gegenteil war der Fall. Das scheint auch ein kleiner Trend zu sein – im Gegensatz zu früher.


Sie haben zu jeder abgebildeten Person auch die individuelle Geschichte hinter den Tätowierungen aufgeschrieben. Was war schwerer zu bekommen, das Foto oder den Text?


Mitsch: Sicherlich die Interviews. Während des Fotoshoots habe ich mich immer mit den Modellen über ihre Tattoos unterhalten. Da die Entscheidung für das Buch aber erst viel später entstand, wurden die Interviews erst im Nachhinein von einem Redakteur geführt.


Haben Sie ein Lieblingsmotiv unter den über 50 Portraitierten?


Mitsch: Ich habe schon einige Lieblingsfotos der Serie, was aber nichts mit den Tattoos selbst zu tun hat, viel mehr mit den Persönlichkeiten auf den Fotos.


Sie leben seit über 20 Jahren im Amsterdam, was bedeutet es für Sie, im Kunstverein Heppenheim erstmals in Ihrer Heimatstadt auszustellen?


Mitsch: Ich sehe die Ausstellung im Kunstverein Heppenheim ein bisschen als Abschluss der Fotoserie. Dies in dem Ort meiner Wurzeln zu tun, hat darum für mich etwas Besonderes.  

 

 

 

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